Hochsensible und ihr Gehirn

 

Wie kommt es, dass hochsensible Menschen so empfindsam- und feinfühlig sind? 

 

An der Universität Stony Brook New York (USA) wurde 2004 eine Studie veröffentlicht, die versuchte, die Besonderheiten des Gehirns hochsensitiver Menschen und die Unterschiede zu nicht hochsensitiven Menschen zu erklären.

Die Ergebnisse der Gemeinschaftsstudie von sechs Forschern wurden in der Fachzeitschrift ,Brain and Behavior' veröffentlicht.

 

Unter anderem ergab die Studie der Universität Stony Brook, dass hochsensible Menschen ein emotionales Gehirn mit großer Empathie aufweisen. Das heißt, es sind Gehirne, die gänzlich auf die Umgänglichkeit und die Bindung mit Ihresgleichen gerichtet sind.

Genauer gesagt bedeutet das, dass man herausgefunden hat, dass die Gehirnprozesse dieser Menschen Überreaktionen in den neuronalen Bereichen aufweisen, die mit Gefühlen und Interaktionen verknüpft sind.

Man könnte dazu sagen, dass sie somit in der Lage sind die Gefühle ihres Gegenübers zu ,,lesen".

Interessanterweise sehen sich hochsensible Menschen selbst oft als ,,andersartig".

 

Anhand durchgeführter verschiedener Test, sowie Magnetresonanztomographien mit als hochsensibel diagnostizierten Personen und solchen die es nicht sind, wurden in zwei Bereichen klare Unterschiede erkennbar: Bei den Spiegelneuronen und der Inselrinde.

 

Die Spiegelneuronen

Spiegelneuronen sind ein Resonanzsystem im Gehirn, das Gefühle und Stimmungen anderer Menschen beim Empfänger zum Erklingen bringt. Das Einmalige an den Nervenzellen ist, dass sie bereits Signale aussenden, wenn jemand eine Handlung nur beobachtet. Die Nervenzellen reagieren genau so, als ob man das Gesehene selbst ausgeführt hätte. Am besten ist ein Vergleich aus der Musik: Wenn wir eine Gitarrensaite zupfen, bringen wir die anderen Saiten des Instruments auch zum Schwingen, wir erzeugen eine Resonanz. Mitgefühl, Freude, aber auch Schmerzen zu empfinden, ist auf diese Weise erst möglich.

Die Spiegelneuronen im Gehirn sind spezielle Nervenzellen, die den Menschen zum mitfühlenden Wesen machen. Wir werden mit dem Gefühl des anderen ,,angesteckt", dass heißt unsere Spiegelneuronen reagieren nicht nur, wenn wir selbst Leid, Schmerz oder Freude erfahren, sondern diese Nervenzellen werden auch dann aktiv, wenn wir diese Empfindungen bei jemand anderem wahrnehmen und können diese interpretieren.

Bei hochsensiblen Menschen sind diese seit ihrer Kindheit hochaktiv und reizanfällig.

 

Die Inselrinde

Die Inselrinde ist ein kleines Areal, dass sich sehr tief im Gehirn verbirgt und mit dem lymbischen System verbunden ist.

Funktionen: Körperwahrnehmung, subjektive emotionale Erfahrung, bewusste Gefühle, Abscheu, (Verlangen), Empathie, Empathie mit Schmerz, Erkennen von Ungerechtigkeit, Entscheidungsfindung in riskanten Situationen.

Die Inselrinde ist somit eine funktionell und strukturell stark differenzierte Region, die in verschiedene funktionelle Domänen unterteilt werden kann und zumindest in ihrem posterioren Anteil eine weitergehende und feinere Differenzierung aufweist als es bisher angenommen wurde. Zusätzlich zur gefundenen Differenzierung wurde die anterior-dorsale Inselrinde als mögliche Integrationsstation zwischen sensorischen Systemen, Emotionen und kognitiver Verarbeitung identifiziert. (Die Kombination verschiedener funktioneller Bildgebungsstudien mit moderner Neuroanatomie begründet damit eine neue, differenziertere Sicht auf die Rolle der menschlichen Inselrinde.)

Auch hier wurde bei hochsensiblen Menschen im Vergleich zu nicht hochsensiblen Menschen eine erhöhte Aktivität nachgewiesen.

Ebenfalls kamen die Forscher zu dem Schluss das hochsensible Menschen eine niedrigere Reizschwelle für viele physische Reize aufweisen, wie z.B. helles Licht, laute Geräusche, wobei sich sogar die für den Schmerz zuständigen Gehirnareale einschalten können.