In jedem Individuum stecken alle Intelligenzen, nur sind sie bei jedem unterschiedlich ausgeprägt. Jemand, der schlecht im Bereich der Sprache ist, kann eine musikalische Begabung besitzen oder mathematisch talentiert sein. Wie stark eine Fähigkeit ausgebildet ist, hängt zum Teil von der genetischen Veranlagung ab und zum Teil auch von äußeren Einflüssen. 

Erst Einflüsse von der Umwelt regen das Gehirn an, vorhandene Fähigkeiten zu entwickeln, indem es Nervenbahnen aufbaut und Verbindungen zwischen den einzelnen Nervenzellen herstellt. Die größte Begabung kann sich nicht wirklich entwickeln, wenn ein Kind nicht genügend Anreize bekommt, diese auszubauen und weiterzuentwickeln.

 

Es gibt nicht nur klassisch Hochbegabte, sondern auch diejenigen, die einfach ,,anders" hochbegabt sind.

Die multiplen Intelligenzen


 

1. Die sprachlich-linguistische Intelligenz

Zur sprachlichen Intelligenz gehört die Sensibilität für die gesprochene und die geschriebene Sprache, die Fähigkeit, Sprachen zu lernen, und die Fähigkeit, Sprache geziehlt einzusetzen, um sich auszudrücken und zu reflektieren, und auch eine Fremdsprache treffsicher einzusetzen. Sie ist die am besten erforschte Form der Intelligenz.

Kinder, die bereits vor dem Schuleintritt lesen und/oder schreiben können bzw. ein Interesse für Buchstaben zeigen oder für Geschichten, haben meist die sprachliche Form der Intelligenz weit entwickelt. Diese Form der Intelligenz bringt am meisten Erfolg bei schulischem Lernen.

 

2. Die räumliche Intelligenz

Die Fähigkeit räumlich zu denken ist die Fähigkeit, visuell präsentierte Inhalte wahrzunehmen und im Kopf eine Vorstellung davon zu erzeugen, sich die Welt räumlich vorstellen zu können. Menschen mit dieser Begabung sind in der Lage, visuelle Wahrnehmungen zu verarbeiten, zu transformieren und zu reproduzieren. Die räumliche Intelligenz entwickelt sich kumulativ, mit zunehmender Lebenserfahrung wird sie besser ausgebildet, im Gegensatz zur mathematischen Intelligenz, die in späteren Jahren oft nachlässt.

 

3. Die logisch-mathematische Intelligenz

Bei logisch mathematischer Intelligenz handelt es sich um die Fähigkeit, Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, Schlussfolgerungen aufzustellen bzw. zu verstehen und leicht mit Abstraktionen und Strukturen umgehen  zu können. Die logisch-mathematische Intelligenz bezeichnet auch die Fähigkeit, mit Zahlen, Mengen und mentalen Operationen umzugehen. Die wichtigsten und wesentlichen Kenntnisse im logisch-mathematischen Bereich erwirbt das Kind bereits, wenn es beginnt, sich mit der Umwelt und ihren Objekten auseinanderzusetzten, diese zu ordnen und Größenverhältnisse und Mengen zu erfassen. In der weiteren Entwicklung lösen sich die Denkprozesse vom Gegenständlichen ab, das Denken wird abstrakt.

 

4. Die musikalische Intelligenz

Menschen mit einer musikalischen Intelligenz haben ein besonderes Gefühl für Klang, Harmonie, Rhythmus und Intonation, sie haben ständig ,,Töne im Kopf", was viele Musiker, Dirigenten und Komponisten bezeugen. Sie verfügen über eine entsprechende Hörfähigkeit. Menschen mit dieser Begabung sind oft auch leicht in der Lage, Akzente und Dialekte zu sprechen. Es gibt Kinder, die mit einer besonderen Empfindungsfähigkeit gegenüber Lauten geboren werden. Ihnen geling es in früher Kindheit, Töne und Tonhöhen zu unterscheiden. Später fällt es ihnen leicht, Noten zu lesen oder ein Lied anzustimmen. Eine musikalische Förderung kann die anderen Inteligenzbereiche stark positiv beeinflussen, was sich auch positiv auf schulisches Lernen auswirkt.

 

5. Die körperlich-kinästhetische Intelligenz

(Körperkoordination)

Sie bezeichnet die Fähigkeit, den eigenen Körper perfekt zu beherrschen und zu steuern ( sportliche Talente ). Menschen mit einer körperlichen Intelligenz besitzen einen ausgezeichneten Gleichgewichtssinn und sind feinmotorisch begabt.

Im Sport zeichnet sich das spezielle Talent dadurch aus, dass ein Bewegungsmuster schnell erkannt und dann ohne große Mühe umgesetzt werden kann. Jedem Kind, ist die Lust sich zu bewegen angeboren. Es will ausprobieren und tun, ist fasziniert von seinen Fortschritten und registriert auch kleine Veränderungen. Die ersten Bewegungserfahrungen sind nicht nur für Sportler und ähnliche Berufe entscheidend, sondern eine wesentliche Grundlage für die Persönlichkeits- und Begabungsentwicklung eines jeden Menschen.

 

6. Die intrapersonale Intelligenz

(Selbstwahrnehmung)

Unter intrapersonaler Intelligenz versteht man die Fähigkeit, mit den eigenen Gefühlen klug umgehen zu können, eigene Grenzen zu kennen, die Fähigkeit, sich selbst zu (er)kennen und die eigenen Stimmungen und Gefühle zu analysieren und aktiv zu beeinflussen. Menschen mit dieser Intelligenzform sind sich ihres Charakters und ihrer eigenen Persönlichkeit, mit allen Stärken und Schwächen, bewusst und sind in der Lage, ihr eigenes Verhalten zu steuern. Kinder die ihre Bedürfnisse besonders gut wahrnehmen und analysieren können, die ihre eigenen Stärken und Grenzen erkennen, kann man hier einordnen.

 

7. Die interpersonale Intelligenz

(Einfühlungsvermögen)

Die interpersonale Intelligenz bezeichnet die Fähigkeit, andere Menschen zu verstehen, ihre Gefühle und Emotionen, und mit ihnen einfühlsam kommunizieren zu können.

Personen mit einer interpersonalen Intelligenz sind gerne in Gesellschaft, engagieren sich in Vereinen.

Kinder fühlen sich in Cliquen wohl, sind gerne mit anderen Kindern oder der Familie zusammen. Zum Beispiel können Kleinkinder mit dieser Intelligenzform, intuitiv die Stimmung der Personen in ihrer Umgebung erfassen und fühlen sich gefühlsmäßig zu einer Person mehr hingezogen wie zu einer anderen.

 

8. Die naturalistische Intelligenz-

Verständnis für die Natur

Menschen mit einer naturalistischen Intelligenz haben die Fähigkeit, Lebendiges exakt zu beobachten und zu unterscheiden. Sie besitzen eine besondere Sensibilität für die Natur und Naturphänomene. Sie schaffen es Ordnung in die Natur zu bringen und zeichnen sich dadurch aus, die unterschiedlichsten Bereiche in der Natur zu systematisieren. Menschen mit dieser Begabung zeichnen sich besonders dadurch aus, dass sie fähig sind, diese Unterschiede wahrzunehmen. Sie haben ein stak ausgeprägtes Gefühl für Ordnung und auch das Bedürfnis, in einer geordneten Umwelt zu leben. Kinder mit einer naturalistischen Intelligenz fallen auf, weil sie besonders gerne in der freien Natur sind, sie kennen viele Pflanzen und differenzieren z.B. zwischen unterschiedlichen Vogelarten.

 

9. Die existenzielle Intelligenz

(Spiritualität)

Die existenzielle Intelligenz ist die jüngste von Howard Gardner beschriebene Intelligenzform. Gardner versteht darunter die Fähigkeit, grundlegende Fragen der Existenz zu verstehen und zu durchdenken. Sie beinhaltet auch eine gewisse Sensibilität für Grund- und Grenzfragen des Lebens. Kinder, die Fragen wie ,, Warum bin ich auf der Welt?" oder ,,Was passiert mit mir nach dem Tod?" stellen, lassen sich unter dieser Form der Intelligenz einordnen.

Gerade auch Kinder in der Pubertät beginnen, sich Fragen um Sinn des Lebens oder der Liebe zu beschäftigen und sind empfänglich für spirituelle Themen.

 

*Anmerkung:

,,Für die Arbeit mit Kindern ist wichtig, dass jedes Kind den Raum bekommt, seinen eigenen Lernbedürfnissen und seinen eigenen Lerntempo zu folgen, dass seine Talente und Stärken erkannt und gefördert werden, dass aber auch weniger ausgebaute Intelligenzbereiche ihren Platz haben. Die Berücksichtigung der Tatsache, dass alle Intelligenzen gleichermaßen gefördet werden sollen, vermag viele verschiedene Bereiche im Gehirn zu stimulieren und gibt Schülern die Möglichkeit, Stärken aus- und Schwächen abzubauen. Kinder, wenn sie in einem Gebiet besonders erfolgreich sind, Spaß und Freude haben und selbstvergessen arbeiten, können oft auch die Leistungen in anderen Fächern verbessern. Das Kind gewinnt an Selbstvertrauen und kann lernen, die Freude über den Erfolg auf einem anderen Gebiet auf andere Fächer zu übertragen."

Aus dem Buch: Konzentration, Gedächtnis und Intelligenz, Water Bischau, Schulpsychologe